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Liechtensteiner Stiftungen fürchten den Fiskus, deutsche Stiftungen fürchten den Pinguin

Testet die Stiftung Warentest Computer, dann treten eine Hand voll praktisch identische Windows-Rechner gegeneinander an und am Ende gewinnt ein Mac. Beim flüchtigen Lesen bleibt in etwa die Information, die man auch in einem Elektronikmarkt oder auf einem Schulhof hätte bekommen können, plus die bekannten Tabellen. Von einer Stiftung, die sich als Verbraucherschutzorganisation versteht, könnte man mehr erwarten.

Sucht man auf test.de nach Linux findet man bis 2003 fast nur Gutes:

"Die Kritik an Software von Microsoft füllt Bände."

[Für Linux spricht,] "dass es den Nutzer nicht ausspioniert, dass es samt Anwendungsprogrammen nahezu kostenlos zu haben ist und kaum von Viren bedroht wird. Selbst Microsoft kann das offene Betriebssystem nicht mehr ignorieren."

"Blicken nur Eingeweihte durch? Nein. Die aktuellen Pakete helfen mit dem Tool zur Systemwartung, Linux zu installieren und aktuell zu halten. Das Paket von SuSE sucht per Knopfdruck sogar automatisch nach aktualisierten Systemkomponenten."

"Linux verlangt noch immer Freude am Probieren und einige PC-Kenntnisse. Zum Reinschnuppern empfehlen wir Knoppix." [...] "Wer dann richtig umsteigen will, ist mit den Programmpaketen von Mandrake und SuSE gut beraten." [...] "Steigen Sie mit einer Parallelinstallation zu Win­dows ein. Beim Start entscheiden Sie, ob Linux oder Windows hochfährt."

Es folgen 2003 und 2006 verhalten positive Artikel über preiswerte Rechner mit Linux:

"Linux-PCs sind im Büroeinsatz eine preiswerte Alternative zu Mac- und Win­dows-Rechnern. Unstrittig ist die hohe Sicherheit beim Surfen im Internet. Wer aber Zusatzgeräte (wie Drucker – speziell für Foto­druck, Scanner, Faxkombis) anschließen will, muss erst 'Linux lernen'."

Sich über den Gimp-Veriss und den bereits kritisierten Betriebssystem-Artikel, zu ärgern lohnt nicht. Andere Testergebnisse sind auch nicht immer nachvollziehbar und als Linux-Power-User hat man natürlich auch einen Blickwinkel, der von dem der Euro-Norm-Familie abweicht. Aber man darf sich schon fragen, warum eine üblicherweise kritische Organisation die Gleichung Computer=Windows, aus der Reihe Information=Fernsehen und Essen=Fastfood, derart unkritisch hinnimmt, obwohl technikferne Massen(markt)medien vom Spiegel bis zum Standard Ubuntu und Co längst entdeckt haben.

Dass Linux bei all den Notebook-Tests der letzten Jahre nicht mal erwähnt wurde, ist eine verpasste Chance, aber erst der Schnelltest-Artikel über den EeePC (Mini-Notebook von Asus: Ein Winzling sorgt für Furore), ein Meisterwerk des Subtextes, schießt den Vogel ab. Erste Bedeutungsebene, die Überschriften:

Neuartiges Konzept

Abgespecktes Notebook

Rechner für Reisen

Software für Alle(s)

Zweite Bedeutungsebene, die Fakten (muss man mit der Lupe suchen):

[Die Hardware] "reicht für Office- und Internet-Tätigkeiten [...] aus"

(zu) klein; kein Bluetooth; "Die Akkulaufzeit ist mit drei Stunden ok, aber [...] [es] hätte [...] etwas mehr sein können."

[Das] Betriebssystem [ist] eine Linux-Variante. [...] "Gleich nach dem sehr flotten Hochfahren des Geräts bekommt [der Nutzer] eine leicht verständliche Oberfläche angezeigt. Die Orientierung ist ein Kinderspiel: Der Desktop ist in Themenbereiche [...] gegliedert und mit selbsterklärenden Icons ausgestattet. Hinter den Symbolen versteckt sich eine Vielfalt an vorinstallierter Software."

Dritte Bedeutungsebene (eee iiiiii, da is ja Linux drin):

"Aus Platz- und Kostengründen haben sich die Entwickler für [...] Linux [...] entschieden."

"Die Installation eigener Programme ist Menschen ohne Linux-Kenntnisse fast unmöglich."

"Tipp: [...] 1 oder 2 G[i]B [Arbeitsspeicher] aufrüsten. [...] Tipp: Bluetooth-USB-Stick kaufen [...] Tipp: Windows XP installieren."

"Der EeePC ist in allererster Linie etwas für Technik-Fans. [...] Viele Einsatzmöglichkeiten lassen Spar-Hardware und Mini-Tastatur einfach nicht zu. [...] Doch [...] wer [...] bereit ist, Kompromisse bei Leistung, Hardware-Ausstattung und Handhabung einzugehen, findet im EeePC einen preiswerten, robusten und sehr kompakten Reisebegleiter."

Fassen wir zusammen: Wie die Zitate belegen ist der EeePc ein neuartiges Produkt, das mehr Software mitbringt als irgendein anderes Produkt, das je getestet wurde, die Bedienung ist einfach und die Hardware für diesen Zweck genügend. (Die Behauptung "mehr Software als alle anderen Produkte" stützt sich darauf, dass die getesteten Fenster- und Streuobst-Computer regelmäßig nur das nackte Betriebssystem mitbringen, kein Office-Paket o.ä., wie die Tester selbst feststellen. Alle anderen Elektronik-Produkte (Fernseher, Telefone, ...) haben noch weitaus geringere Software-Vielfalt.)

Aber welchen Eindruck gewinnt man, wenn man das liest? Das kommt rüber als sei Linux bestenfalls eine billige Notlösung. Der "Tipp" zur Windows-Installation ist fett gedruckt, obwohl das aufwendig ("15 Seiten" Anleitung), teuer (Windows-Lizenz, zusätzlicher Arbeitsspeicher) und nicht zukunftsfähig (Windows XP stirbt bald aus) ist, weniger Funktionen bietet (keine angepasste Oberfläche, keine Zusatz-Software) und all die Nachteile ("Spar-Hardware", "Mini-Tastatur") sicher nicht mindert.

Bernd, das war MANGELHAFT:

Update: Dem Manager-Magazin gelingt es einen Artikel fast ausschließlich mit umformulierten Zitaten aus dem Test zu füllen, allerdings deutlich positiver im Ton: EEEPC Was der Zwerg alles kann. Interessant wie oft SpigelOnline und Co über den eeePc schreiben, und jedesmal mit dem PR-Foto.